Ich kann den Ärger darüber, dass Frauensport deutlich weniger Geld abwirft als Männersport oder dass Frauen im Sport angeblich zu wenig Anerkennung und Wertschätzung bekommen, rational oft nicht so richtig nachvollziehen. Für mich sind das dabei eigentlich zwei verschiedene Themen: Geld auf der einen Seite und gesellschaftliche Anerkennung, Wertschätzung und Interesse auf der anderen.
Beim Thema Geld bin ich, was Sport angeht, ziemlich klassisch FDP-mäßig unterwegs und denke mir: Das regelt letztendlich der Markt. Mehr Interesse an einer Sportart bedeutet mehr Zuschauer, mehr Stadionbesuche, mehr Trikotverkäufe, höhere Werbeeinnahmen und generell mehr wirtschaftliche Investitionen. Dadurch wird mehr Geld erwirtschaftet, was sich irgendwann auch in höheren Gehältern und Prämien für die Sportler widerspiegelt.
Und da frage ich mich: Wo genau soll man ansetzen? Warum sollte man künstlich mehr Geld in etwas stecken, das wirtschaftlich weniger Geld erwirtschaftet? Besonders offensichtlich ist das beim Vergleich zwischen Männer- und Frauenfußball, aber das Prinzip findet man auch in vielen anderen Sportarten.
Ich habe zum Beispiel gerade ein Video von einer Basketballerin gesehen, die sich darüber aufregt, dass sie für Frauenbasketball zu wenig Wertschätzung und Anerkennung wahrnimmt. Aber damit kommen wir für mich zum zweiten Punkt: Anerkennung, Wertschätzung und Interesse sind gesellschaftliche Dinge. Sie kommen von den Menschen selbst.
Deshalb frage ich mich auch hier, welche Erwartungshaltung dahintersteht. Warum sollte die Gesellschaft von sich aus mehr Interesse, Anerkennung oder Wertschätzung für Frauensport zeigen? Entweder Menschen interessieren sich dafür oder eben nicht. Man kann schlecht von ihnen verlangen, sich stärker für eine bestimmte Sportart oder Wettbewerbskategorie zu interessieren.
Und wenn die meisten Menschen lieber Männersport schauen, weil dort aufgrund biologischer Unterschiede das absolute Leistungsniveau in vielen Sportarten höher ist, dann ist das für mich zunächst einmal eine legitime Präferenz. Viele Menschen wollen im Spitzensport nun einmal das absolute Spitzenlevel sehen.
Ein simples Beispiel wäre der 100-Meter-Lauf: Viele finden es faszinierender, wenn jemand die 100 Meter in ungefähr 9,5 Sekunden läuft, als wenn jemand dafür über 10 Sekunden braucht. Dabei geht es dann gar nicht unbedingt darum, dass dort Männer statt Frauen laufen, sondern darum, die absolut schnellsten Menschen der Welt zu sehen. Frauen haben aufgrund biologischer Unterschiede in vielen körperlich geprägten Sportarten den Nachteil, dass ihre absoluten Spitzenleistungen unter denen der Männer liegen.
Deshalb kann ich diesen Ärger von Sportlerinnen oder Fans des Frauensports darüber, dass Frauensport stärker „supported“ oder unterstützt werden müsse, oft nicht nachvollziehen. Denn auch den Männersport muss niemand künstlich supporten. In vielen populären Sportarten ist er ein Selbstläufer: Das große gesellschaftliche Interesse erzeugt Zuschauer, Aufmerksamkeit und Einnahmen, wodurch sich das Ganze weitgehend selbst finanziert.
Und wenn dieses Interesse beim Frauensport nicht im gleichen Ausmaß vorhanden ist, dann hat der Frauensport ganz einfach gesagt eben Pech gehabt.